Kuss der verzweiflung

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My Story

Hier werde ich versuchen meine Geschichte nieder zu schreiben. Ich weiss, dass es nicht einfach werden wird aber auch, dass ich mich endlich den Tatsachen stellen muss. Ich schreibe dies für mich um nicht andauernd von mir wegzurennen. Falls sich trotzdem jemand auf meine Seite verirrt hat bitte ich ihn auf sich aufzupassen. Ich schreibe so wie ich fühle, wie es für mich ist. Ohne Zensuren und ohne Sternchen. Sonst könnt ich auch einen Text aus der Zeitung abschreiben.. ;-)

Ich wurde anfangs Dezember 1988 in der Schweiz geboren. Schon zu diesem Zeitpunkt war ich anders als die meisten anderen Neugeborenen. Ich erblickte 3 Monate zu früh das Licht der Welt. Mein Gewicht [900 Gramm] entschied über Leben und Tod. Die Ärzte gaben mir eine Chance und schlossen mich an Sauerstoff und anderen Geräte an.

Ich kämpfte und ich überlebte

Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof, für ein Kind meiner Meinung das grösste. Man ist umgeben von vielen Tieren. Mitten in der Natur. Nachbarn gibt es nicht viele man kann sich austoben. Das war schön und zugleich schrecklich. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Zu meinen Eltern hatte ich nie ein sehr enges Verhältnis. Ich konnte nie etwas richtig machen und bekam von beiden Elternteilen regelmässig eine gescheuert oder bekam mit dem Teppichklopfer…eins ab. In den ersten Jahren war ich oft bei meiner Urgrossmuter, die in unserem Haus wohnte. Sie spielte mit mir, hörte mir zu und ich durfte neben ihr im Bett schlafen. Sie zeigte mir alte Fotos oder brachte mir Spiele bei. Sie war für mich etwas ganz besonderes.

Als ich 4 Jahre alt war missbrauchte mich ein Junge aus der Nachbarschaft über längere Zeit. Ich wusste nicht was er da an mir fummelte, oder wieso ich ihn berühren musste. Ich wusste nur, dass es „komisch“ war und ich es nicht wollte. Das ging über längere Zeit so, er fand immer ein Druckmittel. Ich konnte nicht nein sagen.

Mein 5tes und wohl schlimmstes Jahr.
Ich weiss noch wie ich mich auf den Kindergarten gefreut hatte. Ich war ja ein Einzelkind und durfte nun mit ganz vielen Kindern Spielen. Ich glaubte, dass es nichts Schöneres geben konnte. Falsch gedacht, ich weiss nicht mehr warum aber 3 Jungs kamen regelmässig auf mich los. Mal hatte ich ein Veilchen, mal zerkratzten sie mich mit Stechpalmen usw. meistens auf dem Heimweg. Ich musste 4 Km gehen, manchmal konnte ich mit Nachbarn reiten aber meine Eltern kamen praktisch nie. Als ich das erste mal ganz nach Hause gelaufen war nach 1.5 Stunden war ich mächtig stolz. Mutter empfing mich mit einer Ohrfeige und schloss mich in mein Zimmer. Ich hatte keine Ahnung weshalb. Ich war doch schliesslich das erste mal alles gelaufen.
In diesem Jahr starb meine Urgrossmutter. Meine Mutter sagte eines Abends, dass sie eingeschlafen sei. Ich verstand nicht was sie meinte. Wenige Stunden vor ihrem Tod wollte sie mit niemandem sprechen ausser mit mir. Ich weiss heute leider nichts mehr von diesem Gespräch. Ich spürte das etwas mit ihr nicht stimmte. Sie war so anders als sonst. Weinen durfte ich nicht. Der Doktor war ja schliesslich im Hause Ich war sehr traurig.
auf meinem Kindergartenweg lag das Leichenschauhäuschen. Ich ging jeden Tag bei meiner Urgrossmutter vorbei bis Jemand meine Eltern informierte und ich nach einem riesen Aufstand das Verbot bekam meine Urgrossmutter noch mal zu sehen. Die andern Kinder spielten an ihrer Beerdigung und hatten Freude sich wider zu sehen. Ich hatte keine Freude.

In diesem Jahr passierte noch Etwas. Ich kann es nicht richtig umschreiben, da ich vieles so erfolgreich verdrängt habe oder meine Seele es mir nicht freigibt. Ich weiss es nicht.
Es war Herbst. Ich war alleine auf dem Heimweg. Die farbigen Laubblätter sammelten sich auf dem Boden. Es sah herrlich aus. In einem Waldstück hielt vor mir ein Auto es stank, ich hustete. Später lag ich am Boden. Äste bohrten sich in meinen Rücken. Die Sonne blendete zeitweise durchs Blätterdach. Ich dachte ich würde ersticken, diese schwere auf mir. Diese grauenhaften Schmerzen. Diese unverständlichen Worte. Die Kälte des Bodens.

Als ich in die Schule kam und 6 wurde war ich sehr oft krank. Niemand wusste warum. Ich erzählte niemandem von dem Geschehnis im Herbst.
Um abends einschlafen zu können hämmerte ich Abend für Abend meinen Kopf gegen die Wand oder die Bettstatt.. Ich wusste nicht weshalb..irgendwann tat ich es um einach nur einschlafen zu können..

[brauche eine kleine Pause]


Die Primarschule verlief ganz ok. Ich fühlte mich gut integriert und hatte es mit praktisch allen Mitschülern gut. Auch die Leistung war ok obwohl ich immer das Minimum dafür tat.

In der ersten Oberstufe träumte ich nachts immer dasselbe Inhalt der Träume waren die Missbräuche. Langsam konnte ich mich wider daran erinnern. Es begann eine schwierige Zeit meine Kollegen durften raus ich musste zu Hause bleiben. Hatte wider vermehrt Probleme mit meinen Eltern. Sie schlossen mich in meinem Zimmer ein, damit ich nicht weg gehen konnte. Die Streitereien eskalierten immer mehr und ihre Hände rutschten immer mehr aus. Ich fühlte mich unverstanden und nichtsnutzig. Nachts konnte ich nicht mehr schlafen und auf einem Teil des Schulweges sah ich immer so komische Bilder vor mir, die ich nicht zuordnen konnte. Heute weiss ich dass ich dort vergewaltigt worden bin.
Ich schottete mich immer mehr ab, sprach kaum noch. Eines Abends als ich wider eingeschlossen wurde griff ich zu einem Messer und schnitt mir in den Arm es tat gut. ich schnitt unkontrolliert auf mich ein. Ich konnte es mir nicht erklären was über mich gekommen war. Es fühlte sich gut an, ich konnte damit eine Kälte in wohlige Wärme umwandeln. Ich schnitt mich immer häufiger um dieses Gefühl zu erleben. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass man das SVV nannte, es hätte mich wohl auch nicht interessiert. Es tat für einen Moment einfach nur gut.
Ich begann meine Gefühle aufzuschreiben und zu zeichnen. Ich fand so einen Weg mich auszudrücken. Sprechen konnte ich nicht.
vor 5 Jahren bekam ich eine kleine Schwester. Die ich über alles Liebe. Es tat mir gut ihr unschuldiges Lächeln zu beobachten. Sie sieht die Dinge noch nicht kompliziert. Sie sieht das schlechte noch nicht Aber ich hatte auch zugleich Angst, dass es ihr ähnlich ergehen würde wie mir.
In der Schule sprach ich nicht mehr, mit Niemandem. Ich glaube ich hatte Angst etwas Falsches zu sagen, ich weiss es nicht. Ich spürte nur noch diese lähmende innere Kälte und ein brennender Schmerz. Ich kämpfte mich durch die Jahre.
Ich fand schnell einen Ausbildungsplatz als Automechanikerin und war sehr glücklich darüber. Ich schaffte es meine Seele vor allen andern zu verstecken.
Ich verletzte mich immer häufiger und immer fester. Es gab Momente in denen ich vor mir Angst hatte. Ich konnte es nicht mehr kontrollieren.

Als ich dann meine Ausbildung begann ging es mir besser. Ich blühte in meinem Beruf auf. Ich konnte mich während der Arbeit gut ablenken. Und am Wochenende zog ich mit „Kollegen“ um die Häuser. Wir soffen uns jedes Wochenende die Birne zu. Sinnlos. Einfach um abzuschalten. Manchmal bewirkte es bei mir das Gegenteil und ich hatte schlimmste Aussetzer. Ich wusste nie mehr was am nächsten Tag, ausser dass mit mir Etwas nicht stimmte. Mir wurde erzählt dass ich zum Teil Stundelang zitterte und mich kratzte und ich „träumte“ und schrie und dann von einer Sekunde auf die nächste ohnmächtig zusammenbrach. Wenn mich jemand berührte hätte ich mich heftigst gewehrt. Ich weiss nichts von all dem.
Zu Hause fanden meine Eltern ein Blutgetränktes Badetuch. Als sie mich zur rede stellten erzählte oder besser schrie ich ihnen mit verzweifelter Wut die Wahrheit ins Gesicht. Ich bekam mit wie sie einen Psychologen anriefen und sagten sie wollen nichts damit zu tun haben wenn ich mich umbringen würde. Ich fühlte mich weg geschoben und verraten. Als dieser Psychologe kam ging ich nicht nach Hause ich weiss bis Heute nicht wo ich in dieser Nacht geschlafen hatte. Das 2te mal konnte ich nicht wegrennen. Dieses Gespräch werde ich nie vergessen. Zum Schluss meinte er dass mir nicht zu Helfen wäre und dass er mich jemandem übergeben würde. Ich wurde nie gefragt ob ich das wollte. Ich musste einfach. So ging ich einmal in der Woche zu einer Psychologin. Sie war ganz nett aber ich konnte ihr nichts erzählen. Ich schaffte es auch vor ihr meine Maske zu bewahren und so wurde ich nach einigen Monaten als „Geheilt“ abgestempelt. Mit meinen Eltern wechselte ich kaum noch ein Wort.
Im zweiten Ausbildungsjahr hatte ich eine sehr schwere Lungenentzündung und war Wochen im Krankenhaus. Die Ärzte wollten mich wegen den Verletzungen und Narben danach in eine Psychiatrie einweisen doch ich kam auch damals drumherum.
Ich schaffte es mich weniger zu verletzen. Ich wollte doch „gesund“ sein.
Ein Jahr später hatte ich während der Arbeit einen schlimmen Asthmaanfall. Wider lag ich Wochen im Krankenhaus, am Anfang auf der Intensivstation.
Die Ärzte diagnostizierten ein Asthma dass ich schon Jahrelang gehabt haben soll aber nichts bemerkte. Sie rieten mir meine Ausbildung abzubrechen. Ich wollte kämpfen ich hatte noch 2 Jahre vor mir und dann wäre ich fertig gewesen. Ich kämpfte. Aber es reichte nicht. Ein halbes Jahr vor der Abschlussprüfung gings nicht mehr. Die Ärzte verboten mir weiterhin zu arbeiten. Ich durfte wenigstens den Abschluss als Automonteurin machen.

Vor gut 2 Jahren lernte ich an einem Fest ein Junge kennen. Er war anders als die andern. Er hatte etwas was ich noch nie gespührt hatte. Ich meinte ihn kennen zu müssen schon ewig lange. Er kam auf mich zu und er suchte mich als ich ihm entronnen war. Wir waren beide sturzbesoffen. Am nächsten Tag dachte ich an ihn. Das kannte ich nicht. Es machte mir Angst. Wir sahen uns wider und wider. Er entfachte in mir ein bisher fremdes Gefühl. Und die Angst stieg von mal zu mal. Irgendwann im rausch küsste er mich. Es war schön. Aber ich konnte den Kuss nicht erwidern ich hatte zu grosse Angst. Beim zweiten Kuss bekam ich eine Kriese. Zitterte und brach zusammen. Für mich war das der Punkt wo ich ihn nie mehr sehen durfte. Ich wollte nicht dass er wegen mir leidet und ich merkte dass ich nicht fähig war mit einem Jungen zusammen zu sein. Es schmerzte. Dieses warme Gefühl zu verbannen. Ich hasste mich. Irgendwie kamen wir trotzdem zusammen. Nach Monaten und vielen Aussetzern von mir musste ich ihm erklären was mit mir war. Ich erklärte ein Bruchteil. Mehr konnte ich nicht. Ich hasste mich wenn ich sah wie er leidet weil ich zeitweise glücklich war auf seine Kosten. Wir haben es irgendwie überstanden. Ich weiss nicht was wäre wenn ich ihn nie kennen gelernt hätte. Es gibt noch immer sehr viele tage, an denen ich seine Nähe nicht aushalte. Aber er versucht es zu verstehen.

Nun bin ich Arbeitslos und habe viel zu viel Zeit nachzudenken. Ich kämpfe gegen mein SVV und für mein Leben.
ich weiss noch immer nicht was in dem besagten Herbst genau passiert ist. Vielleicht wäre es gut wenn ich es wüsste. Aber ich habe Angst davor.

Dezember 2007

-------> 2008------->

Arbeitslos, Verbot für die Arbeit als Automechanikerin, Keine Ahnung was die Zukunft bringt, was ich aus ihr machen soll.

Im Januar konnte ich nach Zürich in eine Abklärung wo es um die frage ging, welche beruflichen Möglichkeiten mir noch offen sind.

Ich war voller Motivation und hoffte für mich das richtige zu finden. Es waren 2 Wochen voller Hoch und Tief’s. Ich musste feststellen, dass ich intelligenter bin als ich dachte. Irgendwie war ich stolz auf mich.

Wenn ich mich an diese Zeit zurück erinnere, steht im Vordergrund allerdings ein Mann. Er gab mir ohne es zu merken unglaublich Kraft. Er faszinierte mich von Anfang an. Nicht als Mann, sondern als Mensch. Seine Lebensgeschichte und vor allem seine unvorstellbare Kraft und der Wille zu leben, normal zu leben.

Hatte noch ne Weile Kontakt zu Ihm. Er sagte mir Dinge von mir die ich nie ausgesprochen habe. Er meinte ich hätte Angst vor Männer undundund. Ich konnte, bzw. kann das immer noch nicht nachvollziehen. Diese Begegnung prägte mich. Ich denke noch immer oft daran zurück.

In diesen Wochen wurde für mich das befürchtete wahr. Ich muss einen Büroberuf erlernen. Ich hatte damit gerechnet und doch tat die endgültige Entscheidung weh.
Ich lernte meine Fähigkeiten kennen und es war bald klar, dass ich eine Ausbildung zur Hochbauzeichnerin Machen will.

Nach dem Ok von den verantwortlichen Stellen konnte ich mit dem Lehrstellensuchen beginnen. Ich war spät dran und dieser beruf boomt hier momentan ganz schön. Nach langen Monaten und weit über 200 Bewerbungen später fand ich mit sehrsehr viel glück doch noch einen Ausbildungsplatz.

Die Zeit mit den Absagen war schlimm. Über 200 mal kam ein sorry oder noch schlimmer, gar Nichts zurück. Ich begann mehr denn je an mir zu Zweifeln.

Aber es klappte doch noch. Und wie es klappte. Einen knappen monat vor der Deadline hatte ich meinen Vertrag in der Tasche. Ich war stolz und schöpfte neue Kraft. Das war/ ist meine wohl letzte Chance für einen Neuanfang.

Jetzt arbeite ich seid 4 Monaten in einem Architekturbüro und bin mehr als glücklich mit diesem Beruf und vor allem mit dem Arbeitsteam. Besser hätte ich es wohl kaum treffen können.

Und doch gibt es immer wider Krisen zwischendurch. Momente, in denen mir klar wird, dass mit einer neuen Aufgabe das alte Leben nicht einfach ersetzt ist.

Aber im grossen und ganzen geht’s besser. Und das ist das wichtigste

Dezember 2008

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